Oranienburg muss seiner historischen Verantwortung gerecht werden!

Gisela Gneist hatte ein problematisches Verhältnis zur Nazi-Vergangenheit und der Erinnerungskultur in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Deshalb muss die Entscheidung, sie mit einer Straßenbenennung zu würdigen, nun unbedingt neu überdacht werden.

Die Entscheidung der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung im Juni 2020, eine Straße im neuen Wohngebiet „Am Aderluch“ nach Gisela Gneist zu benennen, war aus Sicht der Oranienburger Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ein Fehler, der dem Ansehen Oranienburgs schweren Schaden zufügen wird. Mit dem nun veröffentlichten Gutachten des von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten beauftragten Instituts für Zeitgeschichte München–Berlin liegen nun zusätzliche und vor allem auch wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse vor, die eine Würdigung von Gisela Gneist durch eine Straßenbenennung nicht mehr zulassen, findet Petra Klemp, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in der Oranienburger SVV. „Wir leben in einer Stadt mit einer historisch belasteten Vergangenheit und einer damit einhergehenden großen Verantwortung“, sagt Petra Klemp. „Eine Straße in Oranienburg nach Gisela Gneist zu benennen, würde dieser Verantwortung nicht gerecht.“

Das Gutachten der beiden renommierten Historiker Frank Bajohr und Hermann Wentker zeigt nun noch einmal deutlich, dass die Bundesverdienstkreuzträgerin Gisela Gneist zwar ihre Verdienste hat, aber auch die Nazi-Vergangenheit nicht ausreichend kritisch reflektierte, als Vorsitzende des Opferverbands Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 e.V. allzu selbstverständlich Verbindungen ins rechte Milieu pflegte und vor allem immer wieder die Gedenkkultur der Brandenburgischen Gedenkstätten vehement angriff. „Gisela Gneist war ohne Zweifel ein Opfer des Stalinismus und hat später einen wichtigen Beitrag zur Anerkennung der Opfer des sowjetischen Speziallagers geleistet“, stellt Petra Klemp für die grüne SVV-Fraktion klar. „Aber eine Straße nach ihr zu benennen, die zudem in direkter Nähe zur Gedenkstätte liegt, damit würde die Stadt Oranienburg das Signal aussenden, dass sie nicht einverstanden ist mit dem Gedenken, das in der Gedenkstätte in ihrer Mitte gepflegt wird. Und das muss uns allen klar sein: Dieses Signal würde nicht nur in Oranienburg, nicht nur in Brandenburg oder Deutschland, sondern in der ganzen Welt gehört.“

Die Grünen hatten bereits im Sommer 2020 einen Alternativvorschlag in die SVV eingebracht, die entsprechende „Planstraße G“ nach Marianne Leiss zu benennen, die – wie auch der Rest ihrer polnisch-stämmigen Familie, insgesamt sieben Menschen, darunter zwei hochschwangere Frauen – im Alter von zweieinhalb Jahren am 4.2.1943 im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. „Leider ist die Mehrheit der Stadtverordneten damals unserem Antrag nicht gefolgt“, sagt Petra Klemp. „Wir mussten diese demokratisch getroffene Entscheidung damals akzeptieren, aber appellieren nun an die anderen Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung, diesen Fehler einzugestehen und die beschlossene Straßenbenennung nach Gisela Gneist gemeinsam rückgängig zu machen.“ Klemp sieht dabei nicht zuletzt den Bürgermeister in der Pflicht: „Alexander Laesicke hat seit seiner Wahl viel Zeit und Mühe investiert, um eine Städtepartnerschaft mit Israel auf den Weg zu bringen. Wir wünschten uns ähnlich viel Engagement in diesem wichtigen Fall.“

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