Pressemitteilung

Hennigsdorf: Havelbrücke-Baustelle: Radverkehr wird ausgebremst statt gefördert

26.07.26 – von Ortsgruppe Hennigsdorf des ADFC und der Kreistagsabgeordneten Gerlinde Dumke Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Tierschutz

 

Der Sommer kommt und damit nimmt der Radverkehr auch in Hennigsdorf zu. Der Berliner Mauerweg verläuft über die Havelbrücke durch die Stadt, ebenso der viel befahrene Fernradweg von Berlin nach Kopenhagen. Seit einigen Monaten ist auf der einzigen Brücke über die Havel eine Baustelle, die für Radfahrende nur mit Mühe zu umfahren ist. Eine Verbesserung der Situation ist derzeit nicht in Sicht.

Grund genug, dass die Kreistagsabgeordnete Gerlinde Dumke (B90/ Grüne) eine Anfrage an die Kreisverwaltung zur Verkehrsführung für Radfahrende gestellt hat. Die Antwort der Kreisverwaltung wirft grundlegende Fragen zum Stellenwert des Radverkehrs in Oberhavel auf.

Zwar betont die Kreisverwaltung in ihrer Stellungnahme, dass der Radverkehr ein „zentraler Bestandteil des Mobilitätsmixes“ sei und gezielt weiter ausgebaut werden solle. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass bei der konkreten Verkehrsführung an der Baustelle die Bedürfnisse der Radfahrenden hinter denen des motorisierten Verkehrs zurückstehen müssen.

Irritiert zeigt sich Dumke, dass der Landkreis keinerlei Zahlen zur Bedeutung des Radverkehrs an diesem Straßenabschnitt hat. Die Entscheidung der Kreisverwaltung, Radfahrenden die Fahrbahnnutzung zu untersagen, wird mit gefährlichen Situationen und Beinaheunfällen nach Einrichtung der Baustelle begründet. Daraufhin sei die Verkehrsführung geändert worden.

„Die aktuelle Lösung verbietet Radfahrenden die Nutzung der Straße. Sie müssen absteigen und ihr Fahrrad über eine Umleitung um den Festplatz schieben“, erklärt Gerlinde Dumke. „In der Praxis ist schnell zu beobachten, dass viele Radfahrende nicht schieben und einige sogar trotz Verbots eher die Fahrbahn nutzen. Damit ist die offizielle Lösung nur eine Scheinlösung, die nicht auf Akzeptanz stößt.“

Sowohl Bündnis 90/Die Grünen und auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC e.V.) erkennen an, dass Verkehrssicherheit oberste Priorität haben muss. Allerdings bleibt offen, ob auch andere Lösungen ausreichend geprüft wurden. So hatte bereits eine erste Anfrage der Ortsgruppe Hennigsdorf des ADFC e.V. ausdrücklich darum gebeten, den Radverkehr auf der Fahrbahn zu belassen und Fahrzeugen durch das Verkehrszeichen 277.1 („Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen“) das Überholen zu untersagen. Die Kreisverwaltung lehnte dies mit der Begründung ab, dass Autofahrende das Verbot missachten würden. Auf das Argument, dass auf dem Baustellenabschnitt Tempo 30 gilt, wurde nichteingegangen. Gleichzeitig räumt die Kreisverwaltung ein, dass dieses Verkehrszeichen im Landkreis bislang kaum eingesetzt wird und deshalb liegen keine Erfahrungen mit seiner Wirkung vor.

„Es ist absurd, dass eine Verkehrsregelung mit dem Argument verworfen wird, dass die Autofahrer sich nicht daran halten würden und gleichzeitig anzunehmen, dass Radfahrende einen großen Umweg in Kauf nehmen, auf dem sie das Rad auch noch schieben sollen“ so Jürgen Hammelehle von der Hennigsdorfer Ortsgruppe des ADFC. Auch ist bemerkenswert, dass ein Instrument mit dem Hinweis auf fehlende Erfahrung verworfen wird, obwohl dieselbe Behörde bestätigt, dass es bislang praktisch nicht genutzt wurde. Die Straßenverkehrsbehörde im Landkreis Oberhavel sollte neue Instrumente anwenden und auswerten!“, so Hammelehleweiter. Aus den Antworten zur Anfrage geht zudem hervor, dass die Verwaltung des Landkreises Oberhavel nicht angeben kann, wie viele Verkehrszeichen 277.1 im Landkreis tatsächlich vorhanden oder eingesetzt sind.

Aus Sicht des ADFCs zeigen die Antworten insgesamt ein strukturelles Problem: Während die Kreisverwaltung die Förderung des Radverkehrs als Ziel formuliert, werden bei konkreten Konflikten häufig Lösungen gewählt, die vor allem den Radverkehr einschränken. Dumke und Hammelehle fordern daher, bei künftigen Baustellenführungen die Belange des Radverkehrs frühzeitig und gleichberechtigt zu berücksichtigen. Dazu gehören nachvollziehbare Verkehrszählungen, die Prüfung innovativer Verkehrsregelungen sowie eine transparente Abwägung zwischen Sicherheit, Verkehrsfluss und Nutzerfreundlichkeit.

 

Verkehrszeichen 277.1 Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen

Kategorie

Hennigsdorf | Kreistagsfraktion | Oberhavel | Verkehr

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Petra Röthke-Habeck

hennigsdorf{at}gruene-ohv.de

 

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Petra Röthke-Habeck
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