„Europa ist und bleibt eine großartige Idee“

14.05.24 –

Heiner Klemp will für Oberhavel nach Brüssel

Am 9. Juni werden nicht nur die Glienicker Gemeindevertretung und der Kreistag gewählt, sondern auch das EU-Parlament. Um einen der 96 Plätze für Deutschland bewirbt sich auch ein Oberhaveler: Heiner Klemp. Ich durfte in den letzten fünf Jahren mit ihm in unserer Kreistagsfraktion zusammenarbeiten. Heiner sitzt außerdem für die Grünen im Landtag und ist in dieser Eigenschaft das einzige Brandenburger Mitglied des Kongresses der Gemeinden und Regionen Europas des Europarates. Nun hat er sich entschieden, bei der Europawahl anzutreten. Barbara Neeb-Bruckner und ich haben ihm einige Fragen gestellt.

Barbara: Hallo Heiner, in den vergangenen vier Jahren warst Du quasi der Vertreter des Landes Brandenburg in Straßburg. Wie muss man sich das vorstellen? Wird man von Lobbyisten zu Häppchen und Sekt eingeladen?

Heiner: Häppchen und Sekt gibt es auch schon mal. Die Hauptarbeit besteht allerdings darin, sich mit den anderen Delegierten Gedanken zu machen, wie es mit Europa weitergeht. Im vergangenen Sommer habe ich zum Beispiel eine Konferenz in Potsdam organisiert, in der es um lokale und regionale Demokratie ging, ergänzt von einem Klimaschutz-Symposium. Am Ende stand eine Erklärung, die Druck machen sollte auf die nationalen Regierungen, die lokale und regionale Ebene beim Klimaschutz mit einzubeziehen.

 

Barbara: Du hast also das Gefühl, man kann diesen schwerfälligen Tanker Europa bewegen?

Heiner:Man kann sicher keine Wunder bewirken, aber viele kleine Beiträge leisten, damit sich der Tanker in die richtige Richtung bewegt. Es ist ein großer Tanker und es braucht viel Arbeit, den umzusteuern.

 

Petra: Warum hast Du Dir den Schwerpunkt Europa für Deine Arbeit im Landtag ausgesucht?

Heiner:Ich fühle mich als Europäer, Europa ist für mich ein Herzensthema und mehr als Geldströme, die von A nach B fließen. Europa ist entstanden als Friedensprojekt – und das ist es immer noch: Innerhalb der EU ist es heute undenkbar Krieg zu führen. Dass es Konflikte an ihren Rändern gibt, dass wir wieder Krieg auf europäischem Boden haben, zeigt mir: Wir brauchen mehr Europa und nicht weniger.

Friedenssicherung, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit sind das Fundament der EU, aber wenn wir in die Zukunft schauen, dann ist natürlich der Klimawandel eine Riesengefahr, die genau dieses Fundament bedroht – und die wir weltweit, aber eben auch europäisch bekämpfen müssen. Da hat Europa in der vergangenen Wahlperiode auch wichtige Schritte gemacht, und an die müssen wir anknüpfen.

Petra:Warum sollten sich gerade die Menschen in Glienicke um Europa kümmern?

Heiner: Auch Glienicke ist ein Teil von Europa und auch die Menschen in Glienicke sind angewiesen auf Frieden, Sicherheit und Wohlstand. Außerdem gibt es europäische Gelder, die direkt nach Glienicke fließen, so zum Beispiel in den vergangenen Jahren für das Klimaschutzkonzept, den Mauerradweg oder das Interkommunale Verkehrskonzept.

Barbara: Bleiben wir bei dem Thema: Glienicke erstickt am Verkehr. Kann der EU-Abgeordnete Heiner Klemp daran etwas ändern?

Heiner: In Brüssel geht es natürlich nicht darum, wie man verhindert, dass der Durchgangsverkehr in Glienicke nicht in Nebenstraßen abwandert. Aber es geht auf europäischer Ebene natürlich auch um Verkehrskonzepte und ein Abgeordneter aus Oberhavel kann dann den regionalen Blick aus Oberhavel in diese Diskussionen einbringen.

Petra: Trotz konkreter Vorteile bleibt Europa für viele Menschen sehr abstrakt. Wie kann man das ändern?

Heiner: Ich glaube, viele Menschen fühlen schon, dass ihnen Europa Vorteile bringt. Wir reden nur leider nicht mehr über die Vorteile, wir halten sie für selbstverständlich: dass wir einfach mal schnell nach Polen fahren können, dass wir unseren Pass nicht mehr zeigen müssen an vielen Grenzen, dass im Urlaub unser Telefon ganz normal funktioniert. Davon spricht leider niemand, obwohl fast alle von Europa profitieren. Europa ist und bleibt eine großartige Idee, die wir bewahren und weiterentwickeln müssen.

Wir bedanken uns bei Heiner Klemp und wünschen ihm viel Erfolg dabei, das „Friedensprojekt“ Europa voranzubringen.

Von Petra Bajorat-Kollegger

Kontaktdaten von Heiner Klemp: 

 

www.heinerklemp.de
E-Mail: ep(at)heinerklemp.de

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